Der Bootsführerschein

Ab wann ist ein Bootsführerschein erforderlich?

Wer auf deutschen Gewässern legal ein Segel- oder Motorboot bewegen möchte, benötigt dafür in der Regel keinen Befähigungsnachweis. Dies vereinfacht natürlich den Zugang zum Wassersport. Verfügt das Boot hingegen über eine Motorisierung von mehr als 11,03 KW oder 15 PS, wird ein Führerschein fällig. Ausgenommen davon sind der Bodensee, Rhein sowie Abschnitte der Spree in Berlin.

Handelt es sich um ein langsames bzw. familienfreundliches Hausboot, darf es, wie es auf vielen europäischen Binnengewässern der Fall ist, ebenso in Deutschland ohne Schein gefahren werden, sofern man sich an bestimmte Reviere hält. Zu diesen zählen unter anderem der Brandenburger oder Potsdamer Havel, die wunderschöne Mecklenburgische Seenplatte, die Peene und weitere Gewässer. 

Alles in allem können innerhalb Deutschlands über 700 Kilometer Binnengewässer sowie Wasserstraßen sogar mit Charteryachten wie der Jetten 41 AC führerscheinlos befahren werden. Zwar wird man vor dem Antritt der Charterfahrt vom anbietenden Unternehmen eingewiesen und erhält einen “Charterschein”, doch ist dieser nicht mit einem Bootsführerschein gleichsetzbar.

Bootsführerscheine in der Übersicht

Welchen Bootsführerschein brauche ich?

Jeder, der einen Schein machen möchte, sollte sich im Vorfeld zwei wesentliche Fragen stellen:

  1. Wo möchte ich fahren?

Welche Gewässer möchten Sie mit Ihrem Boot befahren? Möchten Sie etwa aufs Meer in Kroatien oder Spanien, oder eher auf einen See oder Fluss wie etwa den Rhein?

  1. Was für ein Boot möchte ich fahren?
    Möchten Sie ein Motorboot oder ein Segelboot fahren?

Wenn Sie beispielsweise ein klares Urlaubsziel wie Mallorca, Gardasee oder Roermond vor Augen haben, dann sind Sie schon einmal einen wesentlichen Schritt weiter. 

Bootsführerschein für Meer und Küste oder Flüsse und Seen?

Die Beantwortung dieser Frage ist sehr wichtig! Mit einem Bootsführerschein für Flüsse und Seen darf nämlich das Meer und die Küste nicht befahren werden und vice versa. Für beide “Reviere” wird ein sogenannter Basisschein benötigt, der quasi die Grundlage für alles Weitere darstellt. Für das Revier Meer und Küste muss der Sportbootführerschein See gemacht werden, für das Revier Seen und Flüsse der Sportbootführerschein Binnen.

Um alles befahren zu können, entscheiden sich viele für einen Kombi-Schein. Hier braucht die praktische Prüfung nur einmalig abgelegt werden. Eines muss an dieser Stelle nochmals festgestellt werden: Auch wenn der Sportbootführerschein See in der Umgangssprache als der “große Schein” bezeichnet wird und auch mit einem höheren Lernaufwand verbunden ist, heißt das noch lange nicht, dass man damit Binnenreviere befahren darf!

Segelboot oder Motorboot: Welchen Schein benötige ich für welches Boot?

Die zweite wichtige Frage, die man für sich abklären muss, ist die Antriebsart: also Segel oder Motor? Dies ist allerdings nur für den Binnenschein ausschlaggebend.

Für den Sportbootführerschein See spielen diese Überlegungen keine Rolle, denn hier wird weder nach Antriebsart noch nach Größe des Boots unterschieden.  Der SBF-See ist sowohl für Segelboote als auch Motorboote gültig. Trotz der Tatsache, dass die Praxisprüfung nur auf dem Motorboot abgelegt wird, ist man ebenso zum Steuern eines Segelboots befähigt.

Wer zum Beispiel das (Yacht-)Segeln auf dem Meer lernen will, sollte zusätzlich den Sportküstenschifferschein machen.

Segelschein: Welche Segelscheine gibt es?

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass der Segelschein lediglich ein umgangssprachlicher Begriff ist. Die korrekte Bezeichnung dafür ist Bootsführerschein bzw. Sportbootsführerschein. Es gab früher tatsächlich den sogenannten Segel A-Schein des DSV (Deutscher Segler-Verband), doch dieser wurde Anfang der 90-er Jahre durch den Sportbootsführerschein Binnen unter Antriebsart Segel ersetzt.

Zu den amtlichen “Segelscheinen” zählen der Sportbootführerschein (SBF) Binnen unter Segel, der Sportküstenschifferschein (SKS) sowie der Sportseeschifferschein (SSS). Der zweitere wird zum Führen von Yachten unter Segel im Küstenbereich benötigt, der letztere zum Führen von Yachten unter Segel im kompletten Mittelmeer, in der Nord- und Ostsee sowie in einer 30 sm Entfernung von der Küste.

Motorbootführerscheine: Welche Arten und Begrenzungen gibt es?

Wie bereits oben erwähnt, gibt es zwei Basisscheine für Motorboote: den Sportbootsführerschein See für das Revier Meer und Küste sowie den Sportbootführerschein Binnen für das Revier Seen und Flüsse.

Beide Scheine sind gänzlich unabhängig voneinander zu sehen, da sich ihre Geltungsbereiche nicht decken. Dies gilt allerdings nur in Deutschland. Diese Regelung mag in anderen Ländern anders sein, weshalb man sich im Vorfeld mit dem jeweiligen Landes- und EU-Recht vertraut machen sollte. Die Tendenz geht jedoch international dahin, dass auf dem Meer der Sportbootführerschein See notwendig wird. Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, ist mit einem Kombi-Schein bestens ausgerüstet.

Wann ist ein Funkzeugnis verpflichtend?

Ein Funkzeugnis muss dann vorgelegt werden, wenn in den Bootspapieren eine Funkanlage angeführt ist. Dies gilt beispielsweise auf Charterbooten, welche über eine UKW Seefunkanlage verfügen. 

Die Funkzeugnisse gibt es in drei Ausführungen: 

  • LRC (Allgemeines Funkbetriebszeugnis) 
  • SRC (beschränkt gültiges Funkbetriebszeugnis) 
  • UBI (UKW Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk).

Prinzipiell sollte man ohnehin ein Funkgerät benutzen können, nicht bloß um selbst im Notfall Hilfe zu holen, sondern auch um diese für andere anzufordern. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine Notfallsituation handeln. Es reicht schon aus, dass der Motor den Geist aufgibt oder sich ein Fischernetz in der Schraube verfängt. Da ist es in solchen Fällen schon hilfreich, wenn man weiß, wie man ein Funkgerät bedient.

Bootsführerschein: Kosten

Wenn Sie eigenständig ein Boot führen möchten, müssen Sie vorerst einmal den Sportbootsführerschein See machen. Neben der Tatsache, dass dieser das Grundwissen im Wassersport vermittelt, bildet er die Basis für alle weiteren Bootsführerschein-Klassen und gilt sowohl für Motor- als auch Segelboote. Ein zusätzlicher Sportbootführerschein Binnen kann danach ohne viel zusätzlichen Aufwand erworben werden. 

Für einen Bootsführerschein müssen theoretische und praktische Stunden absolviert werden. Die Theorie kann in einer Bootsfahrtschule oder in einem Online-Kurs erlernt werden. Praktische Erfahrungen können die Bootsschüler hingegen direkt im Boot sammeln, wo sie von einem Lehrer gecoacht werden. 

Wie viel der Bootsführerschein im Endeffekt kostet, hängt von der Menge der Fahrstunden ab, die benötigt werden, sowie davon, ob man einzeln oder in der Gruppe unterrichtet wird. Daneben kann auch die Variante Online-Kurs, bei welcher man im Alleingang studiert, gewählt werden.

Die Kosten für den Basis-Bootsführerschein bzw. Bootsführerschein See setzen sich demnach aus Kursgebühren (zwischen 100 und 600 Euro), praktischer Ausbildung (zwischen 50 und 100 Euro), einem ärztlichen Attest (10 Euro) und einer Prüfungsgebühr (75 Euro) zusammen. Zusätzlich fallen Kosten für Lehrbuch, Navigationsset und Schreibutensilien an. Somit betragen die Gesamtkosten zwischen 250 und 800 Euro. Wer sich danach entschließt gleich den Bootsführerschein Binnen zu machen, zahlt 60 Euro dazu.

Bootsführerschein online machen

Wie zuvor bereits kurz erwähnt, kann der theoretische Teil der Prüfung online absolviert werden. Das bedeutet, Sie können ganz bequem von zu Hause aus oder unterwegs die Inhalte erlernen. Diese Variante ist einerseits zeitlich sehr flexibel, was das Erlernen von Inhalten anbelangt, andererseits kann der Bootsschüler selbst bestimmen, wann er die Prüfung ablegen möchte. Das Exam selbst findet allerdings zumeist an einer festgesetzten Prüfstelle statt. Bei dieser Variante fällt nicht nur der Zeitdruck geringer aus, sondern auch die Kosten.