Sportbootführerschein

Den Sportbootführerschein, kurz SBF, gibt es in Deutschland für zwei unterschiedliche Geltungsbereiche: den Sportbootführerschein See für das Führen von Sportbooten auf Seegewässern sowie den Sportbootführerschein Binnen für das Führen von Sportbooten auf Binnengewässern. Die beiden Varianten wollen wir uns im Nachfolgenden im Detail ansehen.

Sportbootführerschein See

Wer ein Fahrzeug mit einer Leistung an der Schraube von mehr als 11,03 kW bzw. 15 PS führen möchte, benötigt einen SBF See. Während in der Binnenschifffahrt auch noch auf die Rumpflänge des Bootes geachtet werden muss, ist dieser Faktor hierfür irrelevant. Ebenso ist es dem Bootsführer erlaubt, einen Rudergänger zu bestimmen, welcher nicht über einen derartigen Führerschein verfügt. 

SBF See: Voraussetzungen und Prüfung

Prinzipiell muss der Erwerbende mindestens 16 Jahre alt sein, um den Sportbootführerschein See machen zu dürfen, wobei bis zur Erreichung der Volljährigkeit eine zusätzliche Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten vorliegen muss. Ebenso wird ein ärztliches Zeugnis über den allgemeinen Gesundheitszustand wie auch Seh- und Hörfähigkeit verlangt. Die Zuverlässigkeit wird anhand eines KFZ-Führerscheins oder aber auch eines Führungszeugnis geprüft. 

Die Ausbildung setzt sich aus einem theoretischen und praktischen Teil zusammen. Im ersteren werden Navigation, Kollisionsregeln, Seemannschaft, Wetterkunde, die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, Umweltschutz und Fahrzeugführung unterrichtet. Im Praxisteil lernt man hingegen die Manöver sowie die Knotenkunde.

Den Ausbildungsteilen entsprechend findet auch die Prüfung statt. Die theoretische Prüfung besteht aus einem theoretischen Fragenteil und einem Kartenteil. In letzterem wird überprüft, ob die navigatorischen Basiskenntnisse vorhanden sind, um eine Seekarte lesen zu können. Die Fragen wie auch Antworten sind bereits bekannt und können im Buchhandel als Hilfsmittel zur Prüfungsvorbereitung erworben werden.

Die theoretische Prüfung umfasst 7 allgemeine und 23 spezifische Fragen. Von diesen müssen zumindest 24 richtig beantwortet werden, um die Prüfung zu bestehen. Zusätzlich sind 9 Navigationsaufgaben zu lösen, von den mindestens 7 richtig beantwortet werden müssen. Für die Gesamtprüfung hat man 60 Minuten Zeit.

In der praktischen Prüfung werden die Grundkenntnisse rund um die Themen Motorboot und Knoten geprüft. Von den insgesamt neun Knoten werden sieben abgefragt und sechs müssen in der Praxis vorgeführt werden. Auch wenn es sich um einen SBF See handelt, muss die praktische Prüfung nicht auf einer Seeschifffahrtsstraße abgelegt werden. Wer beide Prüfungsteile erfolgreich bestanden hat, ist offiziell zum Führen eines Sportbootes auf den Seeschifffahrtsstraßen befugt.

Es besteht die Möglichkeit die Ausbildung ebenso in privatwirtschaftlichen Ausbildungseinrichtungen zu machen, allerdings gibt es hier, was den Umfang wie auch die Qualität des erworbenen Wissens und Praxis anbetrifft, relativ große Unterschiede.

Internationales Zertifikat: Gilt der Sportbootführerschein auch im Ausland?

Die Antwort auf diese Frage ist ein eindeutiges Nein. Der SBF See ist nämlich ein “nationales” Dokument, welches im Ausland keine Gültigkeit hat. Alle Sportbootführerscheine enthalten zwar das Internationale Zertifikat der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen, das sog. International Certificate of Competence, doch müssen Führer von Sportbooten nichtsdestotrotz eine Zusatzqualifikation im Ausland belegen. Dazu befähigt sie überhaupt erst dieses internationale Zertifikat. Im Anschluss wird der Führerschein dann um eine dritte Innenseite erweitert.

Neue Sportbootführerscheinverordnung 2017

Mit der neuen Sportbootführerscheinverordnung, welche am 10. Mai 2017 in Kraft trat, wurden bisherige für Binnen und See geltende Sportbootführerscheinverordnungen ersetzt. Seitdem werden keine separaten Führerscheine mehr für beide Reviere ausgestellt. Stattdessen gibt es einen Sportbootführerschein, in welchem die jeweiligen Geltungsbereiche vermerkt werden.

Zusätzlich gab es Änderungen, die den Erwerb von Sportbootführerscheinen erleichtern sollen. So können beispielsweise die Teilprüfungen Motor und Praxis an unterschiedlichen Orten abgelegt werden, sogar im Ausland, was bis zu diesem Zeitpunkt nicht auf den SBF See zutraf.

Seit 1. Januar 2018 wird der Sportbootführerschein im Scheckkartenformat herausgegeben und binnen 10 bis 30 Tagen nach bestandenem Exam zugeschickt.

Sportbootführerschein Binnen

Der Sportbootführerschein Binnen ist eine amtliche Lizenz zum Führen eines Sportbootes auf Binnenschifffahrtsstraßen. Das Sportboot darf dabei nicht länger als 20 Meter sein und gewerbsmäßig verwendet werden. Ruder und Bugspriet werden nicht mitgemessen. Auf dem Rhein ist die Länge des verwendeten Fahrzeugs auf weniger als 15 Meter Länge (!) beschränkt. Dieses Limit gilt allerdings nicht für Fahrzeuge, die mithilfe eines Segels von maximal 6 m² Fläche oder durch Muskelkraft bewegt werden.

Der SBF Binnen gilt sowohl für Boote mit Antriebsmaschine als auch Segel. Beide Antriebsarten sind im Dokument vermerkt. Der früher für das Surfbrett notwendige Sportbootführerschein Binnen entfiel zum 1. Mai 2012 ersatzlos.

Für Segelboote ohne Motor gibt es abseits der genannten Binnenwasserstraßen Deutschlands keine Führerscheinpflicht. Um Boote führen zu dürfen states area phone code , die eine Länge von 20 Metern überschreiten und nicht länger als 25 Meter sind, ist das Sportschifferzeugnis notwendig. Auf dem Rhein ist für Boote mit einer Länge ab 15 bis 25 Metern ein Sportpatent erforderlich.

SBF Binnen: Voraussetzungen und Prüfung

Grundsätzlich kann der Sportbootführerschein Binnen bereits mit 14 Jahren erworben werden. Dies gilt allerdings nur für Segel. Für Segel mit Motor beträgt das Mindestalter 16 Jahre. Bei Minderjährigen ist zusätzlich die Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten notwendig. Wie auch beim SBF See muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden, welches die Tauglichkeit betreffend Hör-, Sehvermögen, körperliche und mentale Eignung bestätigt. Die Zuverlässigkeit wird anhand eines KFZ-Führerscheins oder Führungszeugnisses geprüft.

Die Prüfung setzt sich aus einem theoretischen und praktischen Teil zusammen. Der erstere Umfasst Grundfragen zum Schifffahrtsrecht, der allgemeinen Wetterkunde sowie Seemannschaft. Darüber hinaus werden spezifische Fragen zu den Themenbereichen Binnen und Segeln gestellt.

Seit 1. Mai 2012 ist ein Theorieteil mit 72 Basisfragen, 181 spezifischen Fragen betreffend Binnen und 47 spezifischen Fragen das Segeln betreffend, vorgeschrieben. Die allgemeinen Fragen sind die gleichen wie beim Sportbootführerschein See. Die Fragen sind mittels vorgegebener Multiple-Choice Optionen zu beantworten, von denen nur eine Antwort richtig ist. Für die Prüfung unter Motor stehen 45 Minuten Zeit zur Verfügung, wobei höchstens sechs Antworten falsch sein dürfen. Für das Exam unter Motor und Segeln hat man 60 Minuten Zeit und darf maximal acht Falschantworten haben. In Ausnahmefällen und nach vorherigem Antrag kann die theoretische Prüfung auch mündlich abgelegt werden.

Beim praktischen Teil werden unterschiedliche Manöver wie etwa das Ab- und Anlegen, Wende, Halse usw., das Fahren verschiedener Kurse zum Wind sowie seemännische Knoten geprüft. Sowohl für jedes Manöver als auch jeden Knoten erhält der Prüfling zwei Versuche, welche er ausreichend bestehen muss.

Der theoretische und der praktische Teil der Prüfung dürfen zwar separat abgelegt werden, dürfen jedoch nicht länger als zwölf Monate auseinanderliegen.

Wer bereits über einen Sportbootführerschein See verfügt, muss den praktischen Teil in der Antriebsart Maschine nicht mehr belegen. Somit ist es mit einer theoretischen Prüfung von nur 35 Minuten für diesen Kandidaten getan. Inhaber eines Sportseeschifferscheins oder eines Sportküstenschifferscheins müssen ebenfalls keine praktische Prüfung in der Antriebsart unter Segeln mehr ablegen.

Abschließende Anmerkung: Die Neufassung der Sportbootführerscheinverordnung 2017 (siehe oben) gilt selbstverständlich auch für den Sportbootführerschein Binnen.